Hotel Jagdhaus Wiese  

 

Mehr als 150 Jahre Familiengeschichte...

Franz Anton Wiese war der Stammvater der Wieses auf dem Jagdhaus. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Köhler. Laut Urkunde vom 23.03.1842 kaufte er von den Geschwistern Feldmann aus Niederfleckenberg „einen Acker auf dem Schneisberg, groß 3 Morgen, 122 Ruthen und 35 Fuß“ für die Summe von 70 Talern. Auf diesem Grundstück ruhte eine jährlich an den Reichsfreiherrn von Fürstenberg zu Kloster Grafschaft zu entrichtende Last von 5 Spind Hager Wormbacher Maß, die auf den Ankäufer überging.

Hier gründete Franz im gleichen Jahr das Haus Wiese. Den Beginn des Fremdenverkehrs, dem sein Sohn Franz Klemens Wiese entscheidende Impulse geben sollte, hat er nicht mehr miterlebt.

Schon früh müssen Klemens Wiese und seine junge Frau erkannt haben, dass man gerade wegen der unvergleichlich günstigen Lage des Ortes Jagdhaus sein Glück mit einer Schankwirtschaft versuchen sollte. Der Antrag auf Erteilung einer Konzession wurde 1873 zum ersten mal, 1874 zum zweiten mal abgelehnt. Am 13.11.1878 schließlich sandte das Königliche Landratsamt zu Meschede unter der Ordnungsnummer 6266 das, was man heute die Geburtsurkunde des Fremdenverkehrs in Jagdhaus nennen könnte, mit dem folgendem Wortlaut:

Erlaubnisschein
Dem Landwirt Klemens Wiese zu Jagdhaus wird hiermit der Erlaubnis zum Betriebe der Gastwirtschaft in dem in der Gemeinde Grafschaft gelegenen, sub No. 2 des Katasters eingetragenen Hause unter der Verwarnung erteilt, dass eine Verabreichung geistiger Getränke an anerkannte, von der Polizeibehörde als solche bezeichnete Trunkenbolde den Verlust dieser Conzession zur Folge hat, der ferner im Falle der §§ 53 und 143 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 eintritt.“

Damit war der Grundstein gelegt für eine völlig neue Erwerbsquelle. Klemens Wiese, dessen Lebensinhalt es war, mit harter Arbeit und mit unvergleichlicher Ausdauer Wälder zu roden, um sein Ackerland zu vergrößern und damit das Fundament für den weiteren Ausbau des Hofes zu schaffen, überließ die Führung des jungen Wirtschaftsbetriebes seiner Frau Ferdinande und den heranwachsenden Töchtern. Als am 24. Oktober 1883 mit Franz Adolf Wiese der Stammhalter geboren wurde, war seine Freude so groß, dass er beschloss, für den Sohn und Erben das Haus zu vergrößern.

Im Juni 1897 starb Klemens Wiese im Alter von 61 Jahren. Sein Lebenswerk, der Ausbau des Hofes auf 52 Morgen, sollte dem Sohn zum Wegbereiter für einiges, künftiges Schaffen werden. Die Gäste dieses Sommers bewiesen ihre Anhänglichkeit und ihr Interesse am Fortbestand des Hauses durch die Tat. Sie beschlossen den Pensionspreis zu erhöhen, weil sie fanden, dass Mutter Ferdinande Wiese bei den bisherigen Preisen unmöglich auf einen grünen Zweig kommen könne.

Franz Adolf Wiese übernahm das Erbe seiner Eltern, baute es weiter aus und führte es zu einem Bekanntheitsgrad weit über die Grenzen des Sauerlandes hinaus.

Nach seiner Lehre im Hotel Middendorf in Dortmund kehrte er als 19-jähriger in die Heimat zurück. Sein Unternehmungsgeist und die neuen Ideen, die er aus der Stadt mitbrachte, fanden zunächst durchaus nicht die Billigung seiner älteren Verwandten. Aber Franz hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Er vergrößerte den Viehbestand, erweiterte die Stallungen und brachte das Haus technisch auf den neuesten Stand.

Nachdem im Februar 1910 seine Mutter starb, lag die ganze Last der Verantwortung für den aufstrebenden Betrieb auf seinen jungen Schultern. Die Zeit verging in rastlosem Schaffen, bis der Anfang des Weltkrieges alles zum Stillstand brachte. Die schweren Kriegs- und Inflationsjahre bedeuteten für Franz Wiese noch besonderes Leid, nachdem innerhalb von vier Jahren sowohl seine erste als auch seine zweite Frau verstarben. Seitdem stand ihm seine Schwester Bertha Tröster, die ihren Mann 1919 verloren hatte, als treue Helferin zur Seite. Sie leitete das Hauswesen und vertrat Mutterstelle an seinen fünf Kindern. Besondere Freude hatte Franz an seinem Naturpark, den er schon 1911 anlegte und seit dem immer weiter ausbaute.

Als die Inflation überwunden war und die Mark wieder als Wertmesser galt, kehrten auch bei Franz Wiese Mut und Wille zu neuem Schaffen zurück. Mit zahlreichen Um- und Anbauten schaffte er immer neue Fremdenzimmer und ver­größerte Küche und Speisesaal. Bei allen seinen Unternehmungen war er nur von einem Bestre­ben erfüllt: seinen bodenständigen Familienbesitz so auszubauen, dass er auch in schlechten Zeiten auf festen Füßen stehen kann. Er schaffte ein be­hagliches Gasthaus, angepasst an die Eigenart der Landschaft.

In tiefer Frömmigkeit und unerschütterlichem Glauben war er 1936 Urheber und treibende Kraft beim Bau der Hubertus-Kapelle. Mutig wagte er es, gegen den Strom zu schwimmen und in einer Zeit zunehmender Gottlosigkeit dieses Zeichen zu setzen.

Die Zeit blieb nicht stehen, und nach Kriegs­ende nahmen Franz Wiese schon bald neue Um­bauten und Renovierungen in Angriff.

Auch im öffentlichen Leben stand er seinen Mann. Seit Anfang der dreißiger Jahre war er Schiedsmann der Gemeinde Fleckenberg. 1939 wurde er als Amtsältester und Gemeinderat eingesetzt. 1945 bestellte man ihn zum Ortsvorsteher. Für seine Verdienste um den Bau der Hubertus-Kapelle er­hielt er zu seinem 70. Geburtstag 1953 von Papst Pius XII. das Ehrenkreuz "Pro ecclesia et pontifice".

Stets pflegte er die Atmosphäre seines Hauses und führte es zu einem nie erwarteten Bekannt­heitsgrad. Wer das Glück hatte, gegen 18.00 Uhr ins "Kontärchen" geladen zu werden, den lud er ein, mit ihm eine Flasche "Filzener Herrenberg" zu "spalten". Im Gespräch lernte man dann einen klugen, bescheidenen Mann kennen, von dem man Rat und Hilfe erfahren konnte. Er war gewiss kein Kind von Traurigkeit. Meinte er doch selbst, wer sich auf Jagdhaus erhole, der sei´s selber schuld. In seiner Gesellschaft wurde zu später Stunde so manche Flasche Wein entkorkt. Aber wenn die Zeit schon allzu sehr fortgeschritten war und die Wogen der Fröhlichkeit überschäumten, dann befahl er kurz und knapp: "Blagen, int Berre!", und jeder fügte sich der natürlichen Auto­rität des Hausherrn.

Franz Wiese starb nach einem reich erfüllten Le­ben im 74. Lebensjahr, geliebt von seiner Familie und von seinen Freunden, geschätzt von seiner Gemeinde und im Kreise seiner Berufskollegen, bekannt wegen seines Sinnes für Gerechtigkeit und Nachbarschaftshilfe, als ein Repräsentant echten, sauerländischen Volkstums. Harmonisch verknüpfte er miteinander die Treue zur Kirche, in gutem Sinne konserva­tive und fortschrittliche Lebens- und Geisteshal­tung, Intelligenz und Leistungswillen, Wirken im Kleinen und Denken im Grossen, frohe Lebensbe­jahung und zähes Durchhalten in schweren Stun­den.

Das große Erbe trat sein ältester Sohn Clemens Wiese an. Da seine Ehe kinderlos blieb, adoptierten er mit seiner Frau Elvira Bernd Gerlach, den zweiten Sohn von Adalbert Gerlach und dessen Ehefrau Gertrud, geb. Wiese, vom Hof Siele bei Olpe.

Clemens Wiese war der geborene Architekt. Tech­nik faszinierte ihn von Jugend auf. Der Beruf des Gastwirts und Hoteliers war ihm nicht in die Wiege gelegt. Dennoch zögerte er nie, sein Erbe anzutreten und die Leitung des stetig wach­senden elterlichen Betriebes zu übernehmen. Unter seiner Hand wuchsen Küche und Keller, und wenn Zimmer umgebaut wurden, dann zeich­nete er die ersten Pläne selbst und setzte immer wieder seine eigenen Ideen in die Tat um. In be­ster Zusammenarbeit mit dem Jagdhauser Künst­ler und Architekten Hinrich Grauenhorst schuf er bei aller neuzeitlichen Technik im ganzen Hause gemütliche Ecken und Winkel, in denen sich der Gast auch bei schlechtem Wetter wohl und geborgen füh­len konnte. Die Krönung seiner Bautätigkeit stellt das 1972 vollendete Härdlerhaus dar. Es bot zum ersten­mal im Haus Wiese moderne und geräumige, sonnige Balkonzimmer mit allem Komfort.

Wie sein Vater Franz, der sich stets mit einem ge­wissen Stolz "Bauer und Gastwirt" nannte, war auch Clemens Wiese mit Natur und Landschaft verwachsen. Er arbeitete gern in seiner Landwirt­schaft und die Pflege von Park, Rasen und Pflan­zungen lag ihm besonders am Herzen.

Clemens war vom Charakter her stets äußerst zurückhaltend und bescheiden. Das Wohlergehen seiner Gäste war ihm oberstes Ziel. Abends, wenn er beim Wein mit ihnen zusammensaß, erfreute er sie oft mit seinen Anekdoten und lustigen Geschichten. Manchmal setzte er sich zu später Stunde ans Klavier, um im kleinen Kreis zum Tanz aufzuspielen. Zur mitternächtlichen Stärkung erfand er den "Wolkenschinken", der für viele späte Zecher schnell zum Begriff wurde.

Seit 1976 erfreute Clemens Wiese seine Gäste durch gelegentliches Klavierspiel beim Abendes­sen. Mancher Gast, der sicherlich die Leistungen der Küche nicht schmälern wollte, sagte damals, das Schönste beim abendlichen Kalten Buffet sei das Klavierspiel von "Opa Wiese".

Ja, inzwi­schen war er Großvater geworden. 1974 hatte man bei Wieses Hochzeit gefeiert. Bernd Wiese­-Gerlach hatte neue Bande zwischen Jagdhaus und Milchenbach geknüpft und sich Elisabeth Oberstadt zur Frau genommen. Clemens Wiese, dem selbst keine leiblichen Kinder vergönnt wa­ren, freute sich nun an seinen Enkeln Thomas, Stefan, Monika und Michael. Thomas, den Älte­sten, fuhr er noch im Kinderwagen spazieren.

Viel zu früh befiel ihn eine schwere Krankheit. Es war ihm nicht vergönnt, die Früchte seines rastlo­sen Lebens in der beschaulichen Ruhe des Alters zu genießen. Clemens Wiese starb 1982, zwei Tage vor Heiligabend. An seinem 71. Geburtstag, am 27.12.1982, trug man ihn auf dem Friedhof in Fleckenberg zur letzten Ruhe.

Seit dem führte Bernd Wiese-Gerlach mit seiner Familie das traditionsreiche Haus. Bernd Wiese-Gerlach, der seine Ausbildung an der weltbekannten Hotelfachschule in Lausanne mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, war - wie seine Vorfahren - stets bestrebt, den Komfort des Hauses weiter auszubauen. Er renovierte in den Jahren nach Clemens Wieses Tod das gesamte Haus und brachte insbesondere auch die technischen Anlagen auf den neuesten Stand. Als herausragendste Renovierungs- und Umbaumaßnahmen sind die Aufstockung des Härdlerhauses und die Erneuerung des Wellnessbereichs in den Jahren 1984 und 1991 zu nennen.

Die Aufstockung des Härdlerhauses und der damit verbundene Ausbau von sechs komfortablen Zimmern und Suiten wurde gleichzeitig dazu genutzt, den architektonisch etwas unglücklich gestalteten Gebäudeflügel harmonisch in die Architektur des Stammhauses einzugliedern.

Mit der Errichtung des neuen Wellnessbereichs im Jahre 1991 setzte Bernd Wiese-Gerlach auf einen in den folgenden Jahren nahezu explodierenden Trend. Der neue Bereich, der das inzwischen 25 Jahre alte Schwimmbad des Hauses ersetzte, wurde mit einem 86 m² großen Schwimmbecken mit Gegenstromanlage, Springquell, Massagedüsen und Wasserfall ausgestattet und verfügt darüber hinaus über einen Whirlpool, Sauna und Dampfbad, ein Kneippbecken sowie eine Vitalsonne.

Ein großes Anliegen war Bernd Wiese-Gerlach die Öffnung des Hauses für junge Gäste und Familien. Auch Wanderern und Tagesgästen wurde mit herzlicher Gastlichkeit die „Schwellenangst“ genommen.

Nach über 30-jährigem Wirken war es Bernd Wiese-Gerlach und seiner Frau Elisabeth, die ihn stets in seinem Bestreben um das Familienunternehmen begleitet und unterstützt hatte, eine große Freude, im Dezember 2005 das Zepter an den zweiten Sohn, Stefan Wiese-Gerlach, weiterzugeben.

In nunmehr 5. Generation führen seit dem Stefan Wiese-Gerlach und seine Ehefrau Katia Herrlitz das Hotel im Bestreben, das über 125 Jahre alte Erbe an den Bedürfnissen und Wünschen der Gäste orientiert weiterzuführen und auszubauen.

 

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